16.07.2007 | Andreas Hafner
Von der "flotten Biene " Maja zum "kleinen trägen Willi"
Ein trauriger Start eines sinnvollen Projektes
Sehr geehrter Bürgermeister, sehr geehrter Ratsvorsitzende, meine Damen und Herren,
mit erschrecken hat die CDU Fraktion die presseöffentlichen Aussagen seitens der SPD zur aufsuchenden Jugendarbeit vernommen. Hierbei zeigte die Mehrheitsfraktion doch sehr deutlich, wie beratungsresistent sie ist! Wie sonst erklärt es sich, das bereits am 14 Juni Herr Brunotte lautstark in der Presse verlauten lies, das" MAJA" starten wird, auch gegen die Stimmen von CDU und FDP, und auch gegen ein evtl. Votum des Jugendhilfeausschusses.
Dies ist an Arroganz kaum mehr zu überbieten.
Die SPD kann ihr derzeitiges Vorgehen, gerade bei dieser Sitzungsdrucksache, nur mit fadenscheinigen Gründen rechtfertigen. Als Schein dient da die Diskussion um die veranschlagten Arbeitsstunden der Streetworker, welche nicht einmal im oft zitierten Koalitionsvertrag genauer beziffert ist, in Wirklichkeit möchte sie ihren „nahe stehenden Verein", oder sollen wir es mal ganz offen ansprechen, ihre „Nachwuchswerkstatt", begünstigen. Für fachliche Qualität, für ein überparteilich langfristig tragfähiges Konzept bzw. gar Kompromiss, so wie in dem Antrag der CDU ursprünglich vorgesehen, ist da kein Platz!
Das Konzept des Vereines zeigt erhebliche Mängel auf! Zunächst werden „Kinder" in dem Konzept überhaupt nicht berücksichtigt - die Zielgruppe beschränkt sich ausschließlich auf „Jugendliche". Von präventivem agieren keine Spur!
Dann bedarf es, bei einer vorgesehenen zweijährigen Laufzeit des Projektes, eine einjährige Einarbeitung der Streetworker. Die Hälfte der Laufzeit des Projektes wird also „verschwendet". Die CDU Fraktion befürchtet, dass aus der "flotten Biene" MAJA schnell ein „kleiner träger Willi" wird, welcher insgesamt ein Jahr lang braucht, um mit der tatsächlichen Arbeit an der Zielgruppe beginnen zu können.
Zudem kommen Kosten, wie Büro und Bürobedarf usw., die bei der Vergabe an das Fachamt in diesem Umfang nicht notwendig gewesen wäre, da man hier auf bestehendes hätte zurückgreifen können. Über die tatsächlich anfallenden Kosten unter der Leitung des Vereines gibt es derzeit keinerlei genaueren Angaben, dennoch sollen wir Ratspolitiker heute über diesen Antrag abstimmen. Vor allem aber verzichtet die SPD auf die vorhandenen Ressourcen, will unbedingt etwas „neues" aufbauen, anstatt das vorhandene Wissen der Mitarbeiter aus dem Fachamt zu nutzen.
Die CDU Fraktion hat mit ihrem Antrag ein effizientes und fachlich qualifiziertes Vorgehen gefordert. Der Fachdienst für Kinder und Jugend ist prädestiniert für dieses Projekt. Die heutigen Sozialarbeiter in den Jugendtreffs wissen, wo sich Kinder und Jugendliche in ihrer Freizeit aufhalten, welche Gruppenstrukturen sich gebildet haben und welche individuellen Probleme die Zielgruppe beschäftigen. Mit diesem Wissen, welches sich der Verein erst mühselig erarbeiten will, könnte der Fachdienst gezielt und sehr zeitnah auf die betreffende Zielgruppe (die Einarbeitungsphase würde entfallen) zugehen. Zudem hat das Amt für Kinder und Jugend ein professionelles Auftreten und wird auch eher von der Bürgerschaft und auch Erziehungsberechtigten anerkannt und respektiert.
Da die CDU Fraktion allerdings schon die „Genossenwirtschaft" der SPD aus der Vergangenheit kennt, hatte sie ursprünglich einen Kompromissvorschlag in die Sitzungsdrucksache einfließen lassen. Die zweite Variante des Vorschlages der CDU Fraktion sähe eine Verzahnung des Fachamtes für Kinder und Jugendliche sowie des Vereines für Sozialarbeit vor. So würde der Verein die Organisation und die Streetworker stellen, das Fachamt mit einer Stundenaufstockung in den Jugendtreffs die notwendige fachliche und praktische Beratung der Streetworker vor Ort übernehmen. Ohne diese Aufstockung der Arbeitszeiten ist diese erforderliche Beratung und Unterstützung der Streetworker in der im Konzept des Vereines formulierten Form laut Fachamt nicht zu leisten. Die Mitarbeiter vor Ort sind an ihren Kapazitäten angelangt. - aber auch das Argument hilft augenscheinlich nicht gegen den systematischen Aufbau parteiorientierter „Netzwerke".
Ich möchte mich hier ganz offen und ehrlich auch mal an die Fraktion der Grünen wenden. Ist dies vorgehen, der Umgang mit Bürgerinnen und Bürgern, mit Fachleuten aus Verbänden und Vereinigungen und letztendlich auch mit den politischen Mitbewerbern tatsächlich das, was sie sich VOR der Wahl vorgestellt haben? Ihre Wahlaussagen klangen damals anders - und das Wissen sie auch! Ich frage mich immer mehr wo bei Rot/Grün die Grünen geblieben sind?




